Erst wenn Gesolltes mit dem Gewollten auseinanderfällt, wird Willensbetätigung erkennbar. Der den Willen Betätigende greift dabei zu einer intellektuellen Konstruktion und erzeugt denkend ein übergeordnetes Wollen, das derart seinem hedonistischen Verlangen die Schranken weist und nennt sie Moral.
Mit der Identifikation zum übergeordneten Wollen gegenüber dem hedonistischen Verlangen, wird so intellektuell Gewolltes erneut zum gesellschaftlich Gewollten.

Die Aneignung des intellektuell Gewollten nennen wir kultivieren, ihr Ergebnis, das Gesollte, Kultur, sein Mittel dorthin Kult.
Genau betrachtet vermeiden wir so erneut die eigentliche Willensbetätigung. Zentrale Richtschnur dieses Kultivierungsprozesses ist Religion. Allerdings fordert diese zwar das willentliche Bändigen des Wollens und trägt damit zum Kultivieren bei, jedoch rückbindet sie den Menschen immer auch an den unendlich freien Willen Gottes. So verstanden wird Religion zur ständigen Herausforderung, die es nicht zulässt, dass wir uns im Bett der rechtschaffenen Kultur ausruhen und es uns darin wohnlich machen.

Streiter an der fordersten Front in diesem Kampf nennen wir heilig, sie kennen keine Moral, sondern dienen dem freien Willen Gottes. Verständlich ist uns Kultivierten ihr Handeln nicht, Heilige haben sich in Unmittelbare verwandelt, gegenüber denjenigen, die noch dem Kult dienen.

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