Wie soll man La ilaha il Allah übersetzen? Etwa, kein Gott ausser Gott oder es gibt keinen Gott ausser Gott, das ergibt beim besten Willen keinen Sinn und fördert Obskurantismus. Auch das keine Gottheit ausser Gott, ist schwierig, was unterscheidet die Gottheit von Gott und bedeutet es das Gleiche, wie der Unterschied im Arabischen zwischen „ilaha“ und „Allah“?
Frithjof Schuon in seinem Buch, „Islam verstehen“, führt eine subtile Feinheit vor Augen, indem er sagt „ilaha“ meine schlicht Gott(heit) während „Allah“ die Gott(heit) – mit Artikel, also das Bestimmte im Begriff Gott – zum Ausdruck bringe.
Übersetzt hieße das dann, „Es ist kein Gott ausser der Gott“.
Das lehnen diejenigen ab, die das „Allah“ als Eigennamen verstanden wissen wollen und er deshalb keinen Artikel beinhalten könne. Also, es gibt keinen Gott ausser Allah. Das ist allerdings sprachlich irreführend, weil für den Nicht-Araber damit die Bedeutung Gott aus dem Wort Allah verschwindet. Was nämlich sollte denn das spezifisch Göttliche an Allah sein, ausser vielleicht, dass es die arabische Übersetzung für Gott ist?
Sheik Ahmad Al Alawi nutzt in seinem Buch Munajat folgende Figur, لا قدير إلا الله oder لا عليم إلا الله. Man könnte ein لا قدير إلا القدير erwarten, doch Al Alawi setzt ein „ila Allah“ ein. Wie ist nun das zu verstehen? Ist Allah neben den attributiven Namen Gottes, der Allmächtige, der Allwissende usw. ein unbestimmter, allumfassender Gottesbegriff?
Neben des im Wort Allah zu klärenden Gottesbegriffs oder Namen Gottes muss zuvor noch ein besseres Verstehen für das arabische ‚ilaha‘ geleistet werden, denn wie oben gezeigt, darf es nicht ohne weiteres mit dem Begriff Gott europäischer Herkunft gleichgesetzt werden, um nicht bei der Übersetzung der arabischen Tauhid Formel in einer babylonischen Sprachverwirrung und damit irregeleiteten Verständnissräumen über einen angeblich sogearteten, islamischen Einheitsglauben zu landen. So hat das Wort Gott für uns heute eine ganz bestimmte Bedeutung, die sich aus dem durch unsere Philosophie- und Theologiegeschichte geprägte Verständnis von Gott nährt.
Forscht man nach dem arabischen Wurzelbegriff von ‚ilaha‘, dann kann es als Zusammensetzung von ‚ila‘ und ‚ha‘ gelesen werde, was mit „zu ihm“ übersetzt wird und damit über ein Verhältnis und eine Richtung Auskunft gibt. Nach klassisch arabischen Verständnis ist damit Anbetung gemeint oder der Anbetungswürdige und spricht eher von einer Beziehung zwischen Mensch und Gott, als dass es ein Konzept von dem Göttlichen entwirft, wie das beim heutigen Verstehen vom Begriff Gott der Fall ist. Untersucht man was Anbetung meint, wird eine zwar kulturell verschieden ausgeprägte aber stets ritualisierte (Opfer-/Hingabe-)Handlung gedacht, welche dem Menschen in seinem Wesen auferlegt ist, mit der er sein Schicksal positiv zu beeinflussen beabsichtigt und der anbetungswürdige Adressat des Rituals derjenige ist, der über das menschlich Unverfügbare Verfügungsmacht besitzt. Interessant ist, dass bei den Germanen der ursprüngliche Begriff Gott eine dem Arabischen ganz ähnliche auf den Akt der Anbetung bezogene Bedeutung hatte. Über die Zeitläufte ging diese jedoch verloren und wurde durch die Christianisierung nicht nur vermännlicht, sondern bekam auch seine besondere transzendente und theologisch-philosophische Verortung.
Arabische Übersetzer, die zwar diese Begriffsherkunft von ‚ilaha‘ kennen aber oft weniger Kenntnisse der europäischen Zielsprachen und Theologietheorien haben, kommen dann auf Formeln wie, ‚es gibt keinen anbetungswürdigen Gott, oder kein Gott ist anbetungswürdig‘, was das Wort ilaha überdehnt und im schlimmsten Fall sogar den Sinn komplett entstellt, indem es mit solchen Satzkonstruktionen im Deutschen etwa dann die Existenz von vielen Göttern postuliert.
Allerdings sollte man mit dem neuen Verständnis vom Wurzelbegriff des Wortes ilaha noch vorsichtig umgehen, wenn man nämlich die Bedeutung von ‚la ilaha‘ zu einem Gebot verkürzt, mit einem ‚Bete nichts an‘ also, oder ‚Keinen bete an ausser Gott‘, wenngleich diese Übersetzung vorerst einmal dem Arabischen noch am nächsten kommt und auch sprachlich Sinn ergibt.
Genau an dieser Stelle tut sich noch eine andere Untiefe auf, was nämlich ist mit Allah gemeint, handelt es sich etwa um einen Namen oder einen Gottesbegriff und die Frage, wie grenzt sich eine Bezeichnung Gottes, der Begriff also von seinem Namen ab? Angenommen das Reden vom Begreifen Gottes, das Denken vom Gottesbegriff also, sei nicht möglich und es ließe sich nur in einem Reden zu Gott, also dem Gebet angemessen vollführen, dann können wir nur Namen als Adressaten der Hinwendung denken. Damit würde aus der arabischen Tauhid Formel, ‚Keinen bete an ausser Allah‘.
Ist demnach الله der Name des Adressaten der Anbetung also der Allumfassende, dem der Verfügungsmacht über das Unverfügbare besitzt, weil nur er Anbetung verdient? Doch was soll das sein, der Name Gottes, ist Gott nicht vielmehr der Unverfügbare, der Namenlose? Heisst in der Folge dann aber Gottes Namen sein auch dasselbe wie Menschenname sein? Können Namen in eine andere Sprache übersetzt werden, so wie das deutsche Hans ins Französische Jean? Wer benennt, wer gibt die Namen und in der weiteren Folge, was bedeutet das für محمد den zweiten Namen in der vollständigen Glaubensformel des Tauhid –
لا إله إلا الله محمد رسل الله ?
Der Name Gottes ist direkt neben dem Namen des vollkommenen Menschen, dem ‚insan kamil‘, Mohamed gestellt. Zwei in einem Satz gleichberechtigt nebeneinander, wenn auch hintereinander gesetzte Namen können als zwei Konzepte der Vollkommenheit verstanden werden, die aufeinander verweisen, so auch Schuon.
Schuon nennt es eine Spiegelung, die Spiegelung des Gesandten in Gott, wenn er sagt, im Mohammedun Rasûlu ‚Llha wird die Projektion der Botschaft zu einem Teil der Botschaft. Doch das Nebeneinander beider Namen lässt so betrachtet auch die umgekehrte Deutung zu. Gottes Vollkommenheit, الله spiegelt sich in der Vervollkommnung des Menschen مهمد.
Die Formel „la ilaha il allah mohamed rasul allah“ wirft zunächst mehr Fragen auf als sie beantwortet und zwingt den darüber Nachdenkenden neue Verständnissräume zu betreten. Doch zurück zum Wort Allah, klanglich und für den Nicht-Araber dem Wort ilaha sehr ähnlich. Auch arabische Juden oder Christen nutzen das Wort Allah, wenn sie von und zu Gott sprechen, es ist demnach kein typisch muslimisches Wort, sondern eines der Arabischen Sprache, welche von religiösen Menschen unterschiedlichster Religionen als ihre Muttersprache gesprochen wird. Wieso aber dann die Diskussion, ob es sich beim Wort Allah um einen Namen oder einen Begriff handelt?
Schon im Wort ilaha wurde deutlich, dass eher eine Anbetungsbeziehung benannt wird als ein Begriff, mit dem über ein Sachverhalt oder Verständnis gesprochen wird.
Wird Allah als Name verstanden, ist immer die persönliche Beziehung zum Namensträger gemeint und die drückt sich letztlich in der Rede zu Gott, dem Gebet aus. Anders der Begriff, er meint stets das Verständnis von etwas, also in diesem Fall wie verstehe, begreife ich Gott. Für den Gläubigen ist eine solche Abstraktion schwierig, da Gott sich für ihn jedem verstehen und begreifen wollen entzieht und diese Form der sprachlichen Annäherung in Begriffen auf einer Metaebene das Objekt der Betrachtung vom Subjekt des Betrachters trennt.
Daraus folgernd könnte man die Formel etwa so übersetzen; Keinen bete an ausser Allah (dem du dich im Gebet näherst). Hier wird allerdings sprachlich Beliebigkeit gefördert, denn es gelingt dieser Konstruktion noch nicht klarzumachen, dass immer der Gleiche, der Eine Allah gemeint ist.
Shibli, einst gefragt, weshalb er denn anstatt der Formel, la ilaha il Allah nur Allah, Allah, Allah also Gott, Gott, Gott sage antwortete:“ Verneint man denn in der Formel des la ilaha il Allah anderes als etwas, dessen Sein undenkbar ist, und bejaht man denn etwas anderes als etwas, dessen Nichtsein unmöglich ist?“
Prüfen:
https://ibnarabisociety.org/the-anthropology-of-compassion-william-chittick/
Ibn Arabi, introduction https://youtu.be/-bgWnzjONXE
siehe auch: Der eine Gott, Richard Gramlich, Harrassowitz Verlag 1998