Jenseits als Andauern ewigen Seins annehmen, heisst Glauben. Irdisch Erfahrbares hat nicht mit Jenseitigem Sein gemein.

Annehmen ist die Übernahme, das ist das für richtig erklären, von Aussagen, die sich nicht nachweisen lassen. Ob der in der Aussage behauptete Sachverhalt sich verwirklicht, ist nebensächlich.

Der Glaube ist nur dann vollständig, wenn sich der angenommene Sachverhalt in der Lebenszeit des Glaubenden nicht verwirklichen kann. Alle Aussagen sich zu Lebzeiten möglich verwirklichender Sachverhalte sind stochastische Vermutungen und verdienen nicht Glauben genannt zu werden.

Glaube bestärkt eine hedonistisch begründete Ethik, sie verlagert das Vermeiden von Schmerzen und das Erlangen besonderer Freuden in das jenseitig ewig Andauernde. Dabei wird ein Menschenbild, sich kurzfristig in Lebenszeit verwirklichender Freude und Genuss Suchender zugrundegelegt.

So wird eine logische Verknüpfung geschaffen, die auf eine sonderbare Art Eigennutz anspricht. Jenseitiges Erlangen von Freuden und Vermeiden von Schmerzen werden erst gegenwärtig, wenn das Hiesige beendet ist, also kein Eigenes mehr vorhanden ist, das belohnt werden kann. Das Wesen des Eigenen ist hiesig, ausgerichtet auf das Sofort und im Moment Sein, ohne Vergangenheit und Zukunft, es ist verkörperte Gegenwart. Es weiss nur um seine vergängliche Lebenszeit, wenngleich es sich dieses Wissen selten vergegenwärtigt. Die Frage woher es komme und wohin es gehe, ist der im Hiesigen verkörperten Gegenwart nicht beantwortbar.

Die Ethik nutzt eine logische Figur, sie kann als ein Versuch des Glaubenden verstanden werden, dem Hiesigen, das allein der Lusterfüllung zugänglich ist, Zusammenhänge des Jenseitigen mit dessen Wortverständnis zu erklären.

Die beiden Gegenspieler, der an das Jenseits Glaubende tritt dem Eigennutz des Hiesigen in der Arena des Jetzt gegenüber.

Glauben ist so einfach, hingegen schwer ist es Glauben zu verstehen, weil im Glauben das Jenseitige endlos angenommen ist, für den Verstand ist es jedoch so schwierig Jenseitiges zu verstehen, das so fern der Anschauung ist.

Glauben ist eine so sonderbare und einzigartige Gabe, über die nur Menschen verfügen.