In nur wenigen europäischen Sprachen gibt es eine wortgetreue Übersetzung für das Wort Abendland. Norweger, Holländer und ihre afrikanischen Auswanderer die Buren kennen es überhaupt. Ansonsten heisst der Begriff Okzident in seinen jeweiligen Übersetzungen und darin klingt nichts Heimeliges mit, so sperrig kommt er daher.

Wir Deutsche haben Abendland im Wiedergutmachungsjargon der Nachkriegszeit mit dem Adjektiv christlich-jüdisch, manchmal sogar jüdisch-christlich geschmückt, einer Emphase, die gemeinsame kulturelle Wurzeln, die durch Voranstellen eine Führungsrolle der Jüdischen Kultur in europäischen Weltgegenden behauptet.

Das ist eine wortgewandte Verbeugung vor Ungeliebten und viel millionenfach Getöteten und Vertriebenen einer anderen Kultur. Wir Deutsche haben es eben gern rein, sauber genügt nicht.

Der größte Treppenwitz kündigt sich in dem ganzen neuerlichen Leitkultur Geschwafel an, indem dieses verlogene Wortgestelze vom jüdisch-christlichen Abendland dazu benutzt wird sich von einer anderen in Europa ansässigen Kultur, die der Muslime abzugrenzen und als nicht Zugehörige behauptet.

So wird aus Wiedergutmachung Ausgrenzung, nichts dazu gelernt, wir Deutsche mögen es eben gerne rein. Dabei ist Abendland der Ort des Sonnenuntergangs vom Ort des Sonnenaufgangs her gesehen, weißt also auf eine Relation von Standorten hin.

Nähme man das Wort Abendland beim Wort ließe sich viel lernen. Wenn aber Dumme Worte benutzen, die sie nicht verstehen, und dem Sinn nach so lange verdrehen bis sie etwas verstehen, dann Gnade uns Gott, wenn diese Elenden das Wort führen.