Lethe und Mnemosyne sind Titanenschwestern und zwei Flüsse der Unterwelt, der Fluss des Vergessens und der Fluss der Erinnerung. Sprachlich ordneten die Griechen dem Vergessen, Verborgen sein oder das Verborgene zu und so wird aus ihrem Gegensatz, der Aletheia, das Unverborgene, die Wahrheit.
Das Wissen hingegen stammt vom Fluss der Erinnerung. So verstanden wird Wissen nicht neu erworben, sondern erinnert, wiederentdeckt, die Wahrheit hingegen, Umkehrung des Verborgenen entsteigt dem Fluss des Vergessens.
Wie geschickt auch von den Altvorderen Wahrheit, die unsereins nur noch im Plural, den Wahrheiten, geltenlassen will, ins Jenseits oder zumindest auf dem unumkehrbaren Weg dorthin zu verorten. Als lernte einjeder sie erst dann kennen, wenn sie im Diesseits nicht mehr wirkt.
Wir behaupten zwar, dass das Flusskind der Unterwelt, das Wissen, den Weg ins Diesseits gefunden hat und unser Handeln und Tun wesentlich bestimme, gänzlich unbekannt ist uns heute der Verbleib der Wahrheit. Sie scheint nie wirklich dem Schattenreich entkommen zu sein und führt als Unverborgene ein eigentümlich verborgenes Dasein.