Menschen atmen, essen, trinken, sehen, hören, fühlen, dabei nehmen sie stets etwas von der Umwelt in sich auf, sei es Atemluft, Getränke, Helligkeiten, Klänge, Berührungen.

Dieses Aufnehmen von Welt wird dann gedeutet, verarbeitet, verdaut, umgewandelt, eben vereinnahmt. Vereinnahmen heißt, sich von dem, was die Sinne aufnehmen, ein Bild machen. Abbilden heißt, das was uns die Sinne von der Aussenwelt übermitteln und wir in uns aufnehmen, wird umgewandelt und abgeglichen mit Mustern unserer Erfahrungen, das sind Erinnerungen an frühere Deutungen, von dem was war. Erkennen ist also ein wiedererkennen und dabei Anpassen des bereits Erkannten. So wird das Wiedererkannte um Details und Varianten seiner selbst bereichert. Der Verstand mit seinem logischen Apparat unterstützt das Erkennen, dort wo Sinne Widersprüchliches und vielseitige Ergebnisse liefern, für die es keine Erfahrungsmuster gibt. Dabei gelingt ihm oft eine Widerspruchsreduktion. Dort wo sie nicht gelingt, bleiben Erklärungslücken, die sogar soweit unterdrückt werden können, daß ein Wahrnehmen ihrer Ursachen vollständig vergessen wird, und damit als Erfahrung nicht oder wenig erinnert, sogar geleugnet wird. Neue Muster zu bauen und Alte umzubauen, um ein neues widerspruchsfreies Abbild, der von den Sinnen in uns aufgenommene Umwelt zu bekommen, heißt lernen.

Lernen kennt zwei Bereiche, die Muster Vervollständigung der Sinneseindrücke und die Erweiterung des logischen Apparates um neue Abstraktionen.

Aufgrund ihrer Ortsungebundenheit und Willenskraft sind Menschen in der Lage, das was sie vereinnahmen selbst zu bestimmen. Ihr ihnen innewohnende Erfahrungsapparat neigt dazu das so vereinahmte widerspruchsfrei zu erinnern. So werden Orte und Gelegenheiten von widerspruchsfreier Erfahrung bevorzugt.

Der Vorgang der Vereinnahmung oder Inkorporation ist für Menschen konstituierend, sie leiten dadurch ihre Individualität ab. Was ich esse, isst du nicht und wann ich esse, bestimme ich.

Was und wer sind wir, wenn wir von diesen Sinnen abgeschnitten sind, wenn uns ein Vereinnahmen unterbunden wird? Wir verlieren die Orientierung und vergessen die Erfahrung ein ich zu sein.

https://youtu.be/W8ZSMK-XVy4

Hinterlasse einen Kommentar