Gemeinhin wird das Bild von der Wahl eines Weges am Wegkreuz als Freiheit der Entscheidung und damit des Willens gebraucht.
Ob ich nun den linken oder den rechten Weg wähle, ist zu allererst einmal eine geometrische Wahl. Ihr Freiheitsgrad ist gering und ebenso seine Bedeutung, wenngleich die Metapher von der Entscheidung am Wegkreuz viel mehr Bedeutung unterstellt, als sein geometrischer Sachverhalt überhaupt anbietet.
Erst aufgeladen mit der Fügung vom Schicksal, dem Sakralen und Profanen, bekommt die Entscheidung der Wahl des richtigen Weges eine Bedeutung, die den Begriff von Freiheit überhaupt erst voll zur Geltung bringt. Die Willensfreiheit, die am Wegkreuz tätig wird, um den richtigen Weg einzuschlagen, muss zwischen richtig und falsch, gut und böse entscheiden und dabei alle seine Willenskräfte mobilisieren.
Interessanterweise sind Willenskräfte zwar auch diese des rationalen Abwägens, das ist das gedachte Vorwegnehmen möglicher Folgen, soweit sie ermittelbar sind, aber noch viel mehr ist mit Willen diese Seelenkraft gemeint, die geübt werden muß um handlungsleitend zu bestimmen, was das Körperliche tut. Dazu bedarf es einer besonderen Schulung dieser Seelenkraft, sonst wird Willen stets hinter dem Körperlichen verborgen bleiben.
So ist es besser anstatt von der Willensfreiheit, in dessen Wort eine ambigue Mehrdeutigkeit vom Willen zur Freiheit und befreiten Willen anklingt, von den trainierten Willenskräften zu sprechen, die eine Entscheidung am Wegkreuz zum Gutem erst ermöglichen.