Neben den vielen phänotypischen Untersuchungen, die in maschinellem und menschlichem Handeln Ähnlichkeiten erkennen, stellen sich Erkenntnistheoretiker die Frage, ob nicht etwa dem Robot, so wie dem Tier das Wesentliche zur Handlung fehle – das Subjekt – das Einzigartige, das sich seiner Bewusste, (Willensstarke, Wirkmächtige, Vergessen). Derjenige Wesensbestandteil in uns Menschen wird gesucht, der uns eine Absicht fassen lässt, die dann zur Ausführung gebracht werden soll, die Handlung.
Wenn es dem selbstfahrenden PKW an dieser selbstbewussten Einzigartigkeit mangelt, was geschieht dann, wenn es gekonnt zum Überholvorgang ansetzt und diesen sicher abschließt?
Kann es sein, dass viele Aktionen, die wir bisher in den Bereich der Handlung zusammenfassten, gar keine oder gar keine mehr sind, bestenfalls gut einstudierte Automatismen? Oder ist es etwas anderes, wenn der Überholvorgang von einem selbstreferetiellen Individuum*, dem menschlichen Fahrer ausgelöst wird?
Reagieren wir auf das was uns widerfährt in Windeseile und werden danach gefragt, weshalb wir so oder so handelten, dann gelingt oft nach kurzem Überlegen eine klare Strategie unserer solcherart hervorgerufenen Handlungen darzulegen.
Das verwundert, denn je kürzer die Zeit zur Reaktion ist, umso schneller muß das Gemüt die Geistesleistung erbringen, das Geschehene zuvorderst gut einzuordnen, abwägen und eine Absicht zur adäquaten Antwort bereithalten. Das sind oft nur wenige hundertstel Sekunden von der Analyse bis zur Entscheidung und fassen der Absicht, vorallem im Strassenverkehr.
Es stellt sich die Frage, brauchen reaktive Handlungen gar keine Entscheidungsprozesse oder können sie auch absichtslos zuverlässig gut erfolgen? Ist das Konstrukt der Absicht und Darlegung bestenfalls eine nachträglich erstellte legitimierende Behauptung, aber nichts was der Handlung vorangeht?
Und wenn das so ist, wie viele tatsächlichen Handlungen gibt es die in keinem Reaktionskontext stehen, sondern originäre erste Handlungen sind, also in keiner Kette von weiteren Reaktionen, allenfalls ihr Ursprung sind? Und wie verhält es sich mit Handlungen, die aufgrund von Unachtsamkeit erfolgen, also garnie mit einer vorangestellten Absicht hätten erfolgen können, weil derjenige, der sie auslöste es gar nicht zuließ, dass ein Absicht fassen stattfindet?
Wenn es also die Absicht ist, die eine Aktion zur Handlung adelt, stellen wir unmittelbar die Frage nach dem Wesen der Absicht, was ist eine Absicht, was heißt es eine Absicht zu fassen? Und weshalb kann nur ein Individuum, das menschliche Subjekt eine Absicht fassen? Und ist ein Subjekt etwas das ist oder etwas was wird?
Zeit und Handlung – eine vergessene Theorie, Niklas LuhmannHerunterladen
Können Roboter moralisch handeln?
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