Was ist das Wesen des Wissens und woran erkennt man das Wesen von Weisheit?
Grammatikalisch interessant: es gibt für Wissen keinen Plural wohl aber für Weisheit, nämlich die Weisheiten? Damit ähnelt Wissen Worten wie, Glanz, Gold, Chaos, Natur aber auch Kontinua wie Luft, Regen oder Staub.
Für solche Worte lassen sich nur durch Portionierung einen Plural bilden, etwa Milchtüten, Goldbarren, Naturerscheinungen, Chaos Zeiten oder Wissender.
Abstrakta haben selten einen Plural und doch gibt es sie, die Ängste, die Lieben oder die Grausamkeiten.
Der Begriff Wissen wird den Abstrakta zugeordnet und nicht solchen, die nur den Plural kennen, wie etwa Eltern, Ferien oder Leute oder den Kontinua.
Grammatik kann Hinweise beim Finden vom Wesen der Worte, Wissen und Weisheit geben, aber in anderen Sprachen mag es für dieselben Begriffe andere grammatikalische Formen geben. So unterstützt sie deren Ein- und Zuordnung, darf jedoch nicht überfordert werden.
Wissen schöpft aus der Erfahrung und damit Vergangem, Weisheit hingegen zeigt, wie im Verb „weisen“ bereits enthalten, wie Zukunft gestaltet werden kann. Sind Weisheiten damit Gegenspieler von Naturgesetzen und/oder wissenschaftlich hergeleiteter, probabilistischer Voraussagemodelle?
Damit stellen wir die Frage, ist Wissen und seine Ableitungen geeignet Weisheit zu ersetzen?
Einstein formuliert: “Die wissenschaftliche Methode kann uns nämlich nichts anderes lehren, als Tatsachen in ihrer gegenseitigen Bedingtheit begrifflich zu erfassen. Es ist klar, daß von der Erkenntnis von dem, was ist, kein Weg zu dem führt, was sein soll. Aus der noch so klaren und vollkommenen Erkenntnis des Seienden kann kein Ziel für unser menschliches Streben abgeleitet werden. Wohl liefert die objektive Erkenntnis mächtige Werkzeuge für das Erreichen von gegebenen Zielen, aber das Ziel selbst und die Sehnsucht, es zu erreichen, muß aus einer andern Quelle kommen.”
A.Einstein, Aus meinen späten Jahren, DVA Stuttgart, 1979, S37f
Hinterlasse einen Kommentar