Ich ahnte und warnte mich vorsorglich, als ich mich zu meinem Kommentar entschied, nur dem Deutschen ist das dem Verstehen vorausgehende Verstehen, das Vorverständnis, geläufig, Vorsicht, das wird nicht einfach! Nicht nur das winzige Eingabefensterchen vom Handy aus bedient, war und bleibt eine Herausforderung erster Güte etwas längere Gedanken nur einigermaßen korrekt in Worte zu fassen.
Der Satz vom präparierten Posting, eine herrliche swingende Aliteration, von der man den in Gänsefüßchen gesetzten ontologischen Fluß im zweiten Konditional sprechen kann und eigene Gedanken durchfließt, als Argument zu werten, kam mir tatsächlich nicht in den Sinn, so gänzlich wage kam es daher. Mein Deutschlehrer verhöhnte mich oft, wenn meine Sätze behaupteten, sie würden von etwas sprechen. „So mögen sie es bleiben lassen und sich äussern, wenn sie sich entschieden haben“, er misstraute dieser grammatikalischen Form zutiefst.
Zugegeben ich lehne für mich sämtliche Beschäftigung mit FB, Twitter, Instagram, Tiktok und anderer Quasselbuden ab. Schon das Bearbeiten von LinkedIn und Xing als Karieresprungbrett kostet mich etliche Mühen. Doch diese Tyrannei des digitale Präsenz zeigen Müssens – es kotzt mich an – das mit hohlem Schrift- und Bildwerk unterster Güte unterhalten will, damit man wer ist und gesehen wird, ist die größte Verdummung aller Zeiten.
Wenn Sie nun in diesem Zusammenhang, zu Neudeutsch Kontext,  vom Ding an sich sprechen und vom ontologischen Fließen, stellen sich mir einige Nackenhaare, die wieder glattzubürsten zunächst nicht gelingen will. Das muß ich aber tun, wenn in Ihren Worten für mich, wie sie wortreich ausführen, ein Gedanke verborgen sein soll, den zu verstehen lohnt.
Wollen wir es versuchen?
Der Fluß, sein Fliessen, scheint ein zentrales Bild zu sein. Der Fluß der Zeit, die Abfolge von Ereignissen, hier den digitalen Meldungen, bei deren erneutem rezipieren, ein sich Erinnern stattfindet, erzeugt und am Fliessen gehalten durch permanentes Posten Aller an Alle. Gewissermaßen der Amazonas fließt, weil alle Urwaldbewohner immerwider in ihn pinkeln.
Ob beim digitalen Geschehen von FB der Fluß das richtge Bild ist, bezweifle ich. Wir ITler sprechen gerne in solchen Bildern, reden von der Cloud, Data Lake, vom Streamen, erfinden künstliche Intelligenz, eine Vielzahl abstruser Wunderwerke sprachlicher Kaspereien, erzeugt aus den Hirnen hochbezahlter Marketing Unternehmen, es gilt eine multimilliarden Dollar Industrie, die nichts schafft, nichts erwirtschaftet, nichts hilft, am Leben zu halten.
Weil die Zeit tut, was sie soll, voranschreiten und der User nur ein enges Fensterchen auf die unermesslich vielen Daten erhält, das ihm Überschaubarkeit und Nacheinander suggeriert, anzuehmen es handle sich bei FB um einen Nachrichtenfluß, der am User vorbeifließt und den er mitfliessen lassen, sogar steuern kann, halte ich für naiv. Was auf den Serverfarmen und – Superclustern passiert, ist etwas so unvorstellbar Anderes, Neues, unsere Vorstellungskraft scheitert daran. Schon lange steuert das kein Mensch mehr, selbst vom Menschen erdacht programmiertes nimmt zunehmend ab, selbstorganiserende Systeme optimieren diese Funktionlität. Noch einmal, das ist kein Fluß. Die über eine Milliarde FB User an ihren Endgeräten mit ihren FB und hunderten anderen Apps, die sie permenent mit Daten füttern, sind am allerwenigsten Selbstreflexiv, wenn sie die Apps bedienen oder von diesen bedient werden, sondern wollen, dass das für sie jeweilig gewünschte Ergebnis sich einstellt, sie sind ganz banale Konsumenten.
Was also ist das Ontologische vom digitalen Geschen um FB, verknappt die Lehre vom Wesen hinter den Dingen. Ich meine mich daran zu erinnern, Precht nannte die der Ontologie zugrundeliegende Meta-Physik einmal zutiefst religiöses Denken.

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