1. Erfahrung ist nur möglich, wo sich das Erfahrene als wiedererkennbar, als in einer gewissen Weise geordnet zeigt. Die Welt begegnet uns in einer Ordnung, die sich nicht aus uns ableitet, sondern uns entgegenkommt.

Regelmäßigkeit ist vielleicht nicht das Grundprinzip der Welt, sondern die Bedingung unseres Verstehens.
Doch die Welt selbst ist in ihrem Grund singulär, unerschöpflich, und in jedem Moment neu.
Das, was sich als Regel zeigt, ist womöglich nur der Schatten des Einzigartigen, das sich entzieht.

2. Diese erfahrbare Regelmäßigkeit trägt eine sinnhafte Gestalt — sie ist nicht bloß Faktum, sondern Ausdruck einer Struktur, die sich im Vollzug der Erfahrung als bedeutsam erweist.

Regelmäßigkeiten sind nicht notwendig strukturbildend im objektiven Sinn.
Sie ergeben sich oft daraus, wie wir Aspekte der Welt auswählen und betonen, um überhaupt Orientierung und Verstehbarkeit zu ermöglichen. Diese Auswahl hängt stark von wahrnehmungspsychologischen, kulturellen und historischen Bedingungen ab.

Was wir als „Ordnung“ oder „Struktur“ erkennen, ist also nicht einfach gegeben, sondern steht bereits unter dem Einfluss unserer Perspektive, unserer Begriffe und unseres jeweiligen Deutungshorizonts.


3. Wenn Welt sich in sinnvoller Struktur zeigt, dann verweist dies auf ein Mehr als das bloß Gegebene: auf eine Sinnquelle, die sich nicht vollständig in Subjektivität erschöpft.

Nein, Struktur ist nicht notwendig die Sinnquelle selbst.
Sie ist vielmehr ein Mittel, durch das sich Sinn zeigen kann — aber der Sinn (der Logos) überschreitet die Struktur.
Absichten, die mit Zielen verbunden sind, können sich in Strukturen ausdrücken, aber sie sind nicht auf sie reduzierbar.

Struktur ist oft Bedingung der Möglichkeit von Sinnwahrnehmung, aber nicht die Quelle des Sinns.

4. Darum führt jede ernsthafte Erfahrung — besonders diejenige, in der uns Sinn widerfährt — über das Verfügbare hinaus. Die Möglichkeit, die Welt zu verstehen, weist auf einen Ursprung des Sinns, der sich unserer Verfügung entzieht, und dennoch in der Erfahrung selbst aufscheint.

Siehe auch – Zentrale Begriffe bei Tengelyi, die hier anklingen:

Erfahrung als Kontingenzgeschehen: Erfahrungen geschehen, sie werden zugestoßen, nicht vollständig vom Subjekt gemacht.

Unverfügbarkeit: Das Sinnvolle entzieht sich oft dem Zugriff, es ist nicht planbar, aber es ereignet sich.

Sinnhorizonte: Regelmäßigkeiten tragen Sinn, aber dieser Sinn wird nicht konstruiert, sondern empfangen.

Transzendenz in der Immanenz: Auch ohne metaphysische Theologie gibt es ein Überschreiten im Erfahren selbst – eine Hinweisung auf etwas, das mehr ist als das bloß Gegebene.

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